Das Hotel Rebstock mit der Hausnummer 7 befindet sich in der heutigen Neubaustraße
(früher Wagnergasse), die, auf dem Graben der älteren mittelalterlichen
Stadtbefestigung gelegen, durch die Julius-Echterzeit mit der Alten Universität
und dem Jesuiten-Seminar geprägt wurde.
Im
Mittelalter befand sich das Haus im Besitz der angesehenen Patrizierfamilie „vom
Rebstock“. In einer Verkaufsurkunde vom 28. März 1408 wird der Eigentümer Kunz
Seyde, genannt „zum Rebstock“, erwähnt, der den Rebstock als Gasthaus führte
und dieses als Zinslehen an die Kartause Engelgarten verkaufte.
In
Ratsprotokollen des 15. Jahrhunderts wird der Rebstock als Ort genannt, an dem
Ratsmahle stattfanden. Aber auch zu anderen Anlässen, wie beispielsweise im Ratsprotokoll
Nr.4 (Jg. 1452-1462) belegt ist, wurde der Rebstock als Wirtshaus nach
Begräbnissen von der ritterlichen „Fürspanger-Brüderschaft“ aufgesucht, um „die
Feierlichkeit zu erhöhen“. Im Jahre 1474 wird dem Haus ebenfalls die Funktion
einer Herberge zugesprochen.
Bereits
am 12. April 1558 lassen sich hier die Spießgesellen des Wilhelm von Grumbach nieder,
um den Mordanschlag auf den Fürstbischof Melchior Zobel von Guttenberg vollends
zu planen. Nur drei Tage später, am 15. April, überfielen sie bei der alten
Mainbrücke zusammen mit anderen Komplizen Melchior Zobel, der verwundet und auf
seiner Flucht zur Festung den schweren Verletzungen erlag.
1737
erwarb der Hofkammerrat Anton Rossat das Anwesen († 1741). Er ließ von einem
wanderndem Trupp von Stuckateuren die ganze Hausfassade im Stil des frühen
Rokoko dekorieren, wie es 1751 auch mit dem als Gebäude viel älteren Falkenhaus
geschehen ist. Dadurch wurde der Hof Rebstock eines der Hauptdenkmäler des
Bürgerlichen Rokoko in Franken. Über dem Portal unter den mittleren Fenstern
ließ Anton Rossat sein Wappen und das seiner Frau aus der angesehenen und
reichen Würzburger Beamtenfamilie Ganzhorn anbringen.
Der
fürstbischöfliche Kammerherr Graf von Sickingen-Hohenburg († 1796) erwarb 1792
das Haus. Über seine Witwe, eine geborene Freiin Speth von Zwiefalt, wird um
1806 der großherzogliche würzburgsche Hofmarschall Franz Albrecht Freiherr
Speth von Zwiefalt Eigentümer des Hauses. Sein Wappen befindet sich im
Schlussstein des Portals. Während dieser Zeit hat 1813 der französische
Marschall Ney in der Neubaustrasse 7 Quartier bezogen. Nach dem Tod der Baronin
erbten das Haus seine Tochter Josephine und sein Schwiegersohn Edwin, Freiherr
von Giebelstadt († 1868). Ein Portrait dieses Barons Zobel und seiner Gattin
Josephine, gemalt von dem berühmten Dresdner Portraitmaler des 19. Jahrhundert,
Ferdinand Rayski (1806-1890), befindet sich im Mainfränkischen Museum.
1881
kaufte der Weingutsbesitzer Josef Brennfleck das Gasthaus für 106.000 Goldmark.
Im Besitz dieser Familie blieb das Haus bis zum Verkauf an die
Edeka-Großhandel-GmbH 1956. Die Rokokofassade wurde 1912 und 1936 gründlich
restauriert.
Der
wohl schwärzeste Tag in der Würzburger Stadtgeschichte war der 16. März 1945,
als die britische Luftwaffe mit Fliegerbomben die historische Stadt angriff.
Bei dem Stadtbrand wurde auch das Gebäude des heutigen Hotel Rebstock zerstört.
1951 erfolgte die Sicherstellung der zum Teil stehen gebliebenen Fassade. Im
Jahre 1968 begann der Wiederaufbau des Hauses durch die Architektenfirma J.W.
Mengler aus Darmstadt, einschließlich der exakten Wiederherstellung der
Rokokofassade von 1740.
Im
Mai 1970 wurde der Rebstock als Hotel wiedereröffnet. 1977 ging es in den
Besitz der Hotelierfamilie Unckell über. Bereits zwei Jahre später schloss sich
das Vier-Sterne-Hotel der weltweit größten Hotelkette Best Western an. 1994
übernahm Christoph Unckell das Haus seiner Eltern und führt es seitdem in 2.
Generation erfolgreich weiter. Im August 1996 wurde es nach DIN EN ISO 9001
zertifiziert. Seit
September 2002 gehört es zu der Topkategorie Best Western Premier und zählt zu
den ersten zehn Hotels Deutschlands, die nach dieser Norm zertifiziert wurden.